Gutes Beispiel?

Schaut man sich heute in so manchem privaten Garten um, kommen einem die Tränen. Raseneinerlei gepaart mit immergrünen Kirschlorbeer und Koniferenhecken. Bäume/chen existieren oftmals nur noch als Versehrte, Kriegsopfer, Krüppel. Kaum einem Baum ist es noch vergönnt, seinen natürlichen Habitus der Sonne entgegenzustrecken; in jedem Baumarkt gibt es die persönliche Kettensäge schon ab 59 Euro. Bäume machen Dreck! Äpfel, Birnen und Zwetschgen gibt im 5.000 qm großem Supermarkt um die Ecke. PE-eingeschweißt und mit grünem Punkt für kleines Geld aus der Türkei. Super!

Landauf, landab stemmen sich aufgeweckte Menschen gegen den Trend, pflanzen und pflegen Streuobstwiesen, Bäume, Hecken und "Straßenbegleitgrün". Solch ehrenamtlichem Engagement mögen sich auch Verwaltungstrukturen nicht verweigern. Erst wird selbst in der Feldmarkt jeder alte, stolze Zausel in Sachen Verkehrssicherungpflicht unter die Säge genommen und kurz über der Grasnarbe "veredelt".

Dann kommt der Verwaltungsapperat erst richtig in Gang: Beamte grübeln über Pflanzplänen, Ausschreibungen und popeln zwecks der Sortenwahl in der Nasenschleimhaut. Alles soll gut werden. Irgendwann kommen dann die neuen Stecken und werden am Pflanzloch mit 30 m Gummi und 5 Pfählen festgebunden. Sie könnten ja den Jungs vom Bauhof (oder dem Bürger) davonlaufen. Bis dahin hat so ein neuer Obstler schon mal ein paar hundert Euro gekostet und wird nun mittels Stammnummer und Hundemarke im städtischen Eigentum inventarisiert. Er gehört jetzt dank Steuergeldern verbrieft allen Bürgern einer Stadt!

Im weiteren passiert jahrelang erst mal folgendes: Nix.

Das Bäumchen denkt nun: Prima, ich wachse in diese Welt, so wie es mir gefällt (frei nach Lindgren). Doch so geht das nicht. Wo kämen wir hin, wenn jeder macht, was er will? Das Grünflächenmanagement der Stadt ist nun aufgewacht und veranlasst eine Pflegeklasseneinstufung und entsprechende Maßnahmen. Jetzt rücken die "Orange-Jacken-Jungs" wieder aus. Und führen eine Waffe mit. Ruckzuck mit stumpfer Säge wird der Freiheitsdrang des jungen Steckens in seine Schranken verwiesen.

So jung und schon versehrt.

Der Stecken rappelt sich, er will ja überleben. In seiner Not wächst er kreuz über quer. Geht ja nun gar nicht, das grenzt an Anarchie. Erneut rücken die "Orange-Jacken-Jungs" aus und zeigen dem Protagonisten wo die Säge hängt. Deutlich. Sind ja keine Sensibelchen, die Jungs!

Kaum 20 Jahre jung und schon ein Krüppel? Das Bäumchen wehrt sich und wird ein Besen ohne Frucht. Nachpflanzen sagt nun die V-Struktur in letzter Instanz und beginnt von neuem in der Nasenschleimhaut und der Feldmark zu graben. Man muss ja dem Bürger ein fruchtendes Beispiel geben.

Thomas Hülsen, Hamelner Bürger, mithin Besitzer an Gemeingut, auch Appel-Bäumen.

Mehr dazu finden Sie unter Straßen- und Baumgeschichten, Apenberg Hameln, beim Hamelner Boten

Quelle: DEWEZET 11.2.2019

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